Donnerstag, 7. November 2013

Novembergrau

Den November kann ich als Monat nicht leiden. Er schlägt mir aufs Gemüt, und je älter ich werde, desto schlimmer wird das Novembergrau.
Gestern war bei uns ein besonders grauer Novembertag. Meine Laune war schon direkt nach dem Aufstehen im Keller, und das, obwohl ich gerade Urlaub habe. Dieser Urlaub ist aber eigentlich vor allem fürs Lernen gedacht, mit in die Sonne fliegen ist also eher nix, und somit trägt er auch nicht wirklich zu einer besseren Laune bei. Die Lernmotivation (zumindest, was alles chirurgische angeht) war gestern wohl gemeinsam mit der Laune unterwegs, jedenfalls war an stringentes Lernkapitelrunterreissen nicht zu denken. Mein Blick schweifte von der Nachbehandlung der Splenektomie hierhin und von der Pneumokokkenimpfung dahin und fiel letztendlich auf die hinter dem Ledersessel versteckte Nähmaschine.
Die Nähmaschine besitze ich schon seit ca. 10 Jahren (unheimlich praktisches Weihnachtsgeschenk von meiner Mutter, weil ich damals im Juni wohl einmal gesagt hatte, dass ich doch ganz gerne mal Nähen lernen würde, woran ich mich an Weihnachten aber gar nicht mehr erinnern konnte und dann dementsprechend irritiert sechs Monate später mein Geschenk auspackte; seither überlege ich mir genau, welche Wünsche ich im Beisein meiner Mutter äussere und füge gegebenenfalls auch ein schnelles "das wünsche ich mir aber NICHT zu Weihnachten" hinzu), hinter dem Sessel steht sie praktisch seit meinem Einzug unverändert und so richtig damit genäht habe ich bisher exakt....nie. Ich bin zwar echt gut darin, wüste Platzwunden wieder zusammenzufrickeln, gerne auch mit hauchdünnen Fäden, aber das mache ich dann immer noch von Hand und auch nie zu Hause. Meine insgesamt drei Nähversuche mit der Maschine endeten auch jedes Mal, noch bevor sie recht begonnen hatten, weil prinzipiell nach der ersten Naht der Oberfaden riss und ich frustriert die Haube wieder drüberstülpte.
Mein schweifender Blick fiel nun also auf die Nähmaschine und ich wollte plötzlich unbedingt nähen lernen. Und wie macht man das als Blogger? Genau, man schaut erstmal auf Pinterest nach einer Anfängeranleitung. Zwei Stunden später hatte ich mich für diese Anleitung entschieden, den vor zwei Jahren beim Möbelschweden gekauften Stoff gefunden und die Nähmaschine aufgebaut. Um die Unterfadenspule einzusetzen musste ich zwar nach der Betriebsanleitung googlen (die überlebte wohl einen der letzten Umzüge eher nicht...), aber sonst lief zunächst alles tipptopp. Bis zur ersten Naht. Dann riss....genau, der Oberfaden. Statt nun entnervt die Haube wieder drüberzustülpen googelte ich erneut, fand so diesen und jenen Tipp, schraubte die Maschine schliesslich überall auf, wo sie sich nur aufschrauben liess, ölte die vorgeschriebenen Stellen, spielte mit der Ober- und der Unterfadenspannung, nähte, trennte auf, nähte wieder und hielt zum guten Schluss tatsächlich eine 20minute Tote (wobei selbst der reine Produktionsprozess bei mir wesentlich länger als 20 Minuten dauerte) in Händen!

 
Ich finde sie wunderschön ("nimm dies, Du grauer November!") und bin stolz wie Oskar, kann aber leider keine Close-Ups zeigen, weil die Unterfadenspannung und ich noch immer keine besten Freunde sind.
Eine sehr lange Whatsapp-Unterhaltung mit der Schwester, die praktischerweise Handarbeitslehrerin ist, später (*Foto*...."noch zwei Umdrehungen nach rechts"....*wieder Foto*....."noch eine"....*Foto*......"halbe Umdrehung nach links"...etc. pp) ist aber auch dieses Problem einigermassen behoben.
Um den Bogen zum Novembergrau zu bekommen: das Lernen von Neuem hebt zumindest meine Laune erheblich und eignet sich vorzüglich, um novembergraue Tage etwas heller zu machen, wenn dabei sowas schönes und buntes entsteht umso besser (die Tasche ist in echt noch viel bunter, da es heute aber mal wieder hell- bis dunkelgraues Wetter hatte, gibt's keine besseren Bilder). Ich bin jetzt jedenfalls erstmal nähangefixt (kennen Sie das, wenn man nachts schon gar nicht mehr richtig schlafen kann, weil man was neues gelernt hat und quasi im Traum weiterlernt, in meinem  konkreten Fall also weiternäht?) und muss dringend mehr Stoffe, Bügelvliese, Kamsnaps und was man da noch so alles brauchen könnte shoppen!
Frau...äh...Mutti sammelt hier übrigens dieses Jahr wieder Ideen gegen den Novemberblues.


1 Kommentar:

Claudia hat gesagt…

Am 16.11. ist in Freiburg Stoffmarkt...dort gibt es alles, was das Nähererinnenherz höher schlagen lässt zu günstigen Preisen.
Google Stoffmarkt Holland.
:-)

Liebe Grüsse und viel Spass beim November vertreiben.
Claudia