Montag, 5. August 2013

Tagebuchbloggen im August

Frau Brüllen fragt mal wieder "Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?" Hier meine Antwort!

0:05 Wir kommen von einem Wochenendbesuch bei meiner Familie nach Hause. Ist irgendwie ziemlich spät geworden, dafür war es aber auch ein tolles Wochenende. Die liebste Schulfreundin war auch auf Heimaturlaub, und als ob das noch nicht genug wäre waren wir noch im schönsten Freibad der Welt. Fast wie früher, nur mit mehr Falten! Nach dem Auspacken der fünfzehn Tüten (Bohnen, Honig, Kohlrabi, weil in der Stadt gibt´s ja nix) und Durchlüften der aufgeheizten Wohnung (es lebe das Dachgeschoss...) schlafe ich gegen 0:45 ein.

Kurz darauf läutet um 5:05 der Wecker. Nach zweimal Snoozen stehe ich widerwillig auf. Es folgen Duschen, Frühstücken, Anziehen, Blumengiessen und Fönen. Um 6:15 verabschiede ich mich vom Lieblingsbasler und fahre in die Klinik.

7:00 Visite. Ganz schön viele Patienten auf Station, sind gestern und vorgestern doch noch einige dazugekommen. Die Visite dauert tatsächlich bis 7:30, das passiert uns Chirurgen sonst nicht so häufig. Bei der Frühbesprechung berichte ich vom Dienst am Freitag.
Nach der Frühbesprechung verteile ich mit meinen Kollegen die anstehenden Aufgaben. Einer verschwindet gleich in den OP, der Youngster muss Blutabnehmen, einer visitiert unsere Satelliten (= chirurgische Patienten, die wegen Bettenmangel auf anderen Stationen gelandet sind) und die Kollegin und ich teilen uns den Stapel alte Akten, die noch in Entlassbriefe verwandelt werden wollen. Bevor ich mich an den Schreibtisch setze (und die Entlassbriefe tatsächlich persönlich von Hand tippe...ich liebe die Effizienz im Gesundheitssystem!) gehe ich noch zu einem der Zugänge vom Wochenende. Die Patientin wurde gestern notfallmässig operiert und hat noch ein paar Fragen (unter anderem, ob Blinddarmentzündungen ansteckend sind...hier nochmal für alle: nö!).
Im Arztzimmer steht inzwischen die Luft, ich habe das Gefühl, mein Gehirn läuft auf 25% der regulären Leistung. Bis 11:00 beschäftige ich mich mit den alten Briefen und der Kurvenvisite. Dann begrüsse ich eine Patientin, die ich später noch von ihrer Gallenblase befreien soll.
Die Chefsekretärin ruft an und möchte, dass ich für eine ehemalige Patientin ein Attest ausstelle. Nachdem das erledigt ist, ist es um 11:30 endlich Zeit fürs Mittagessen. Für mich gibt es Gemüsemaultaschen mit Salat. Anschliessend setzen wir uns noch kurz mit einem Eis (kennt noch jemand den guten alten Flutschfinger? Ich hatte irgendwie in Erinnerung, dass es den früher in verschiedenen Geschmacksrichtungen gab...war das tatsächlich so?) in den Schatten.
Danach folgt noch ein wenig unmotivierte Schreibtischarbeit (ist tatsächlich viel zu heiss heute), unterbrochen von etwa 3-minütlichen Blicken auf das OP-Programm. Warum geht die Galle nicht los?!?
13:00 Ah, endlich. Ich kann in den OP kommen. Die Gallenblasenentfernung ist nicht gerade easy, aber das war mir aufgrund der Vorerkrankungen und Voroperationen der Patientin eh schon klar. Mit viel Geduld geht es aber dann doch laparoskopisch, was mich vor allem für die Patientin, aber natürlich auch für mein Operateurs-Ego freut.
14:30 Ich schreibe meinen OP-Bericht, beantworte ein paar Mails und habe dann noch Zeit, um in elektronischen Fachzeitschriften zu blättern. Die Stationsarbeit hielt sich heute trotz voller Betten wirklich in Grenzen.
15:30 Nachmittagsbesprechung. In der Notaufnahme hat momentan einer unserer Youngster Dienst, da dauert die Besprechung immer etwas länger. Soll ja nicht nur dem Informationsaustausch, sondern auch der Ausbildung dienen.
15:50 Ich schaue vor dem Feierabend noch bei der vorhin operierten Patientin vorbei. Die ist noch ziemlich müde, ansonsten ist alles ok.
16:10 Obwohl mein Auto im Schatten parkt, zeigt das Aussenthermometer 35°C an. So fühlt es sich innen auch an! Mit der voll aufgedrehten Klimaanlage wird es aber rasch besser, immerhin läuft mir der Schweiss nicht mehr in Strömen das Gesicht runter. Ein kurzer Abstecher zur Bank, dann fahre ich ohne weitere Umwege nach Hause.

Dort komme ich um 17:10 an und stelle als erstes fest, dass die Putzfee wohl immer noch krank ist. Hier war sie jedenfalls nicht. Eine kurze Nachfrage beim Lieblingsbasler bestätigt: sie kommt frühestens nächsten Montag wieder, die Firma könnte uns am Donnerstag Ersatz stellen. Ich diskutiere ein wenig mit dem Lieblingsbasler, ob wir uns nun bei der Dienstleistungsfirma, die leider seit zwei Wochen keinen Dienst mehr leistet, beschweren oder nicht.
Zur Abkühlung verschwinde ich erstmal unter der Dusche. Hält ca. 10 Minuten an. Ich dümple so vor mich hin, schaue nach den Balkonblumen, räume die restlichen Tüten von gestern aus, beginne diesen Blogeintrag und um 20:00 gibt es Abendessen (blaue Bohnen aus dem Garten meiner Eltern. Wobei blaue Bohnen irreführend ist, schliesslich sind sie, wenn sie gekocht sind, auch wieder grün).
Um 20:30 ruft die liebste Studienfreundin an, wir quatschen uns bis 21:45 fest (ungeachtet der Tatsache, dass wir uns am kommenden Wochenende endlich mal wieder live und in Farbe sehen werden), und um 22:00 bin ich eigentlich bettreif. Uneigentlich ist es noch zu warm zum schlafen. Macht nix, dann schmiede ich mit dem Lieblingsbasler einfach noch ein paar Pläne für morgen (da sind wir dann nämlich genau drei Jahre zusammen. Wahnsinn! Drei Jahre, ohne einen einzigen Tag zu bereuen...).

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