Dienstag, 28. Mai 2013

Discovering le Dreiländereck

Theoretisch lebe ich in einer der schönsten Ecken Europas: im Dreiländereck zwischen Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Praktisch nutze ich das viel zu selten. Der Lieblingsbasler und ich springen ziemlich häufig über die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz, da sorgen schon Freunde und Verwandte hüben und drüben dafür. Wir haben sogar - je nach Anlass - Lieblingsgrenzübergänge. Ich mag zum Beispiel den Otterbach-Zoll am liebsten, allein schon wegen des Namens (den sollte man an Samstagen allerdings tunlichst meiden, da stehen nämlich Tout Bale und die halbe Innerschweiz zum fröhlichen Ausfuhrscheine abstempeln lassen an).
Frankreich jedoch wird von uns sträflich vernachlässigt. Da haben wir nämlich weder Verwandte noch Freunde. Ausserdem spricht man dort Französisch (und das verstehe ich zwar trotz nur zwei Jahren Schulfranzösisch recht gut, aber sprechen...naja, geht so).
Nun zeichnet es sich so langsam ab, dass wir eventuell nicht mehr bis in alle Ewigkeit im Dreiländereck leben werden. Also wird es höchste Zeit, dieses besagte Eck endlich einmal gründlich zu entdecken! Und deshalb waren wir am letzten Wochenende in Strasbourg. Um der ganzen Geschichte etwas mehr Kurzurlaubcharakter zu verleihen sogar über Nacht.
Wir fuhren Samstag nach dem späten Frühstück los und waren etwa zwei Stunden später schon angekommen. Wir gaben Auto und Gepäck im uneingeschränkt empfehlenswerten Hotel ab und schlenderten erstmal bei schönem Wetter (teilweise blauer Himmel und Sonne! Yeah!) durch die Altstadtgassen.



Etliche Knopf- (Strasbourg ist ein echtes Kurzwarenparadies!) und  Souvenirläden später hatte ich zwar immer noch keine original Elsässer Kouglofform made in Taiwan, dafür aber Hunger. Auch das ist in Strasbourg kein Problem, allerhöchstens dann, wenn man sich - wie wir - schlecht für eine der vielen Patisserien entscheiden kann.


Irgendwann gab es dann aber doch Kuchen (Tarte des pommes alsacienne  und Nid d´abeilles...klingt doch ungleich schöner als Apfelkuchen und Bienenstich!) und Café au lait. Anschliessend spazierten wir zurück zum Hotel, wo wir ein wunderschön restauriertes Zimmer direkt unter dem Dach...


...und über den Dächern von Strasbourg bezogen.



(Ab genau hier gibt es übrigens keine Fotos mehr, weil jemand wohl vergessen hatte, den Akku der Kamera aufzuladen und jemand anders eine dermassen zerkratzte I-Phone-Linse hat, dass an fotografieren nicht mehr zu denken ist.)
Die riesige Bettdecke, die vielen Kissen und nicht zuletzt meine Müdigkeit schrien geradezu nach einem Mittagsschlaf. Danach las ich ein Bisschen in "Du findest mich am Ende der Welt" von Nicolas Barreau (trivial, kitschig, unglaublich französisch), während mir der Lieblingsbasler eigens für diesen Trip heruntergeladene französische und elsässische Chansons auf dem I-Phone vorspielte (manchmal ist er wirklich ein alter Streber ;-)
Abends assen wir im Fink Stuebel Choucrout und Bauernhähnchen in Rieslingsosse, beides sehr lecker, aber leider ohne Foto, weil ja jemand...s.o.
Das Frühstück am nächsten Morgen war phantastisch, das Wetter leider nicht. Das war eher saumässig, ein stetiger und kalter Dauerregen. Wir waren zuerst noch guten Willens und spazierten unter Regenschirmen zum Münster (was wir am Tag zuvor, warum auch immer, nur von aussen angesehen hatten). Da war dann, wer hätte es gedacht, am Sonntagvormittag natürlich Gottesdienst. Kamen wir also noch in den Genuss eines wunderschönen Chorals, bevor wir zur Batorama-Anlegestelle weitergingen.
Das gute an Strasbourg ist: es gibt nur einen Anbieter von Bootstouren. Das kommt Menschen mit Entscheidungsschwierigkeiten sehr entgegen, und man muss sich auch nicht alle drei Meter gegen Flugblätter und "buchen Sie die Bootstour bei mir, wir sind viel besser als die Konkurrenz und ausserdem bekomme dann ich die Prozente und nicht der Hillibilly von drei Meter weiter und ich brauche die Provision doch viel dringender, weil meine kranke Frau und meine vier Kinder und mein lahmer Hund wollen ja auch von etwas leben"-Anmachen wehren.
Das schlechte dabei ist: es gibt nur einen Anbieter von Bootstouren. Und so sind sie dann eben auch. Jeder bekommt einen Kopfhörer, Kanal eins für Französisch, Kanal zwei für Deutsch, Kanal drei für Englisch, Kanal 4 für ... Das ging bis Kanal 28 für Esperanto. Die Tour war schon ganz ok, mehr aber auch nicht. Es sei denn, man ist Fan von Panflötenmusik. Dann hätte man vielleicht doch grosse Freude daran gehabt. Egal, im Boot war es warm und trocken (nur dem Perser links vor mir fielen immer wieder grosse Wassertropfen auf die linke Schulter, so ganz dicht war das Glasdach dann eben doch nicht) und immerhin haben wir nun auch das Europaparlament gesehen. Jedenfalls von aussen.
Im Anschluss an die Tour hätte eigentlich gemütliches Flanieren durch die Altstadt sowie die Suche nach der besten Flammkuchen-Beiz und dem allerbesten Schokoladeneclair Strasbourgs auf dem Kurzurlaubprogramm gestanden. In Anbetracht der durch immer noch sintflutartige Regenfälle, Hunger und eine Überdosis an Panflötenmusik rapide gesunkenen Laune bei Teilen unserer kleinen Reisegruppe kam es jedoch zu einer spontanen Programmänderung: rasches Einkehren in das nächstbeste Kellerlokal, Verzehren eines eher miesen Flammkuchens, Entern der nächstbesten Bäckerei, um Eclaires zu kaufen und anschliessend die vorgezogene Heimfahrt.
Die Eclaires gab es dann zu Hause auf dem Sofa. Da war es wenigstens warm UND gemütlich! 

Kommentare:

alasKAgirl hat gesagt…

Ihr wollt weg vom Dreiländereck? Konkret oder nur grundsätzlich?

donauKwelle hat gesagt…

Grundsätzlich. Und schön langsam auch konkret. Passiert aber weder heute noch morgen...