Montag, 18. März 2013

WmDedgT? - Der Sonntag

Frau Brüllen fragt, ich antworte.

06:05 Der Wecker klingelt. Snoozen, Aufstehen, Duschen, Frühstücken, Föhnen und Schminken...alles wie gehabt.

Um 07:15 verabschiede ich mich vom weiterschlafenden Lieblingsbasler und fahre in die Klinik.

08:00 Der Kollege übergibt mir Diensthandy und Patienten. Der erste Notfallpatient mit "Rückenschmerzen seit x Tagen" ist auch schon da. Nein, zum Hausarzt konnte er letzte Woche nicht gehen, der hatte immer schon zu, wenn der Patient mal Zeit hatte. Da dachte er, er schaut einfach am Sonntagmorgen mal bei uns vorbei...ohne Worte.
Ausserdem muss ich noch eine OP für heute planen, der Patient kam in der Nacht. Der OP ist aber aktuell noch durch die Gynäkologen belegt, und wie lange das noch dauert weiss keiner so genau. Der Anästhesist verspricht, sich zu melden, sobald ein Ende in Sicht ist.

09:00 Visite auf der Intensivstation. Einer meiner Patienten muss nach neurologischer Begutachtung in die Psychiatrie verlegt werden. Ich organisiere den Transport und schreibe einen Verlegungsbericht.
Anschliessend folgen Verbandswechsel auf den Stationen.

10:00 Mit unserer OP kann es dann losgehen. In der Notaufnahme ist inzwischen aber auch gut was los, also bestelle ich dem operierenden Oberarzt den OP-Studenten zum Hakenhalten. Schade, es wäre ein spannender Eingriff! Da ich mich aber nunmal nicht teilen kann, hält der Student Haken, während ich in der Notaufnahme Wunden nähe, Gipse kontrolliere, Abszesse spalte, Frakturen versorge und auch einige Patienten stationär aufnehme. Der Vormittag plätschert so dahin, und gegen

13:30 habe ich Zeit für eine kurze Mittagspause. In der Cafeteria gibt es Braten mit Kartoffeln und Gemüse. 20 Minuten später geht es weiter mit ziemlich den gleichen Dingen wie vormittags auch.

16:30 Ich habe gerade keine Patienten in der Ambulanz, also beziehe ich mein Dienstzimmer. Das ist immer ein Bisschen wie Einchecken im Hotel: Waschbeutel ins Bad stellen, Wechselklamotten für morgen rauslegen. Allerdings müssen wir unser Bett selbst beziehen, es handelt sich also doch eher um eine Jugendherberge.

17:30 Ich werde auf Station gerufen, eine Patientin ist verwirrt und die Angehörigen befürchten einen Schlaganfall. Ich untersuche die Patientin und finde nichts, was auf einen Schlaganfall hinweisen könnte. Gespräch mit den Angehörigen.

18:00 Mein Ambulanzpfleger ruft an, er hat einen betrunkenen Patienten mit Gehirnerschütterung und schweren Verletzungen eines Auges aufgenommen. Ich gehe in die Notaufnahme, untersuche den Patienten und lasse ein Computertomogramm durchführen. Dabei stellt sich heraus, dass der Patient die befürchteten schweren Mittelgesichtsverletzungen hat. Ich nehme ihn erstmal auf meine Wachstation auf und suche dann ein Bett in einem größeren Haus mit augenheilkundlicher und mundkiefergesichtschirurgischer Abteilung. Gestaltet sich schwieriger als gedacht, gegen 20:00 kann ich den Patienten dann aber doch verlegen. Leider hat sich sein Sehvermögen auf dem betroffenen Auge weiter verschlechtert (soweit ich das als Nicht-Augenarzt beurteilen kann).

Bis 23:30 nehme ich noch einen weiteren alkoholisierten Patienten mit Gehirnerschütterung auf und behandle einige leichtere Verletzungen. Dann ist erstmal Ruhe und ich gehe in mein Dienstzimmer. Ich zappe mich noch kurz durchs Fernsehprogramm, stricke drei Runden an meinen Socken und schlafe gegen Mitternacht ein.

06:15 Kaum zu fassen, aber ich werde erst jetzt durch meinen Wecker geweckt. Das war mal eine ruhige Nacht!




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