Donnerstag, 14. März 2013

WmDedgT? - Der Mittwoch

Frau Brüllen fragt, ich antworte.

01:30 Der Tag beginnt weit früher, als ich es mir gewünscht hätte. Der Lieblingsbasler scheint einen Magen-Darm-Virus erwischt zu haben, und als treusorgende Freundin vorbildliche Arbeitnehmerin verlasse ich fluchtartig das Bett und verbringe die restliche Nacht auf dem Sofa. Natürlich tut er mir leid, aber zum einen brauche ich meinen Schlaf vor dem heutigen 24h-Dienst und zum anderen will ich mich auf keinen Fall anstecken (und bevor hier ein ganz falscher Eindruck entsteht: die Hausapotheke ist immer tiptop gefüllt, und das ganz sicher nicht mit Glaubuli, was er wann und wie einnehmen kann weiss er und einen Tee hätte ich ihm schon gekocht. Wollte er aber nicht.)

6:00 Nach einer unruhigen und unbequemen Nacht auf dem Sofa klingelt der Wecker. Wie kann es nur sein, dass sich ein und das selbe Sofa, das abends, wenn eigentlich auch ein Bett bereitstünde, unglaublich bequem und geräumig ist, sobald man aus reiner Not darauf schlafen muss in ein Foltergerät verwandelt?
Es folgen Duschen, Frühstücken, Schminken, Vesper richten und dann doch noch Teekochen ("Pfefferminz....mit Süssstoff....oder vielleicht lieber mit Zucker...").

08:00 Ich lasse mir vom Stationskollegen eine Übergabe machen. Wir teilen die anstehenden Arbeiten auf und ich verbringe die nächsten 1,5h damit, die Entlassbriefe für die heute zu entlassenden Patienten sowie etliche am Wochenende ohne Brief entlassenen Patienten zu tippen. Spätestens hier könnte nun der Eindruck entstehen, dass ich wesentlich mehr Zeit am Schreib- als am OP-Tisch verbringe. Und ja, genau so ist es!

09:30 Von einem meiner Patienten muss heute noch ein Ultraschall gemacht werden. Ich frage nach, ob der Ultraschallraum frei ist und bestelle den Patienten dorthin. Kurzer Abstecher zu meinem Postfach, darin finden ich neben den üblichen Prospekten auch die Anfrage einer Unfallkasse bezüglich eines Patienten. Muss ich wohl diktieren. Jetzt aber erstmal Ultraschall, der Patient hat sich inzwischen im Ultraschallraum eingefunden. Das, was ich suche, finde ich nicht. Somit kann ich immer noch nicht genau sagen, woher die Bakterien in seinem But kommen. Wenigstens scheint das Antibiotikum zu greifen. Ich schreibe meinen Bericht und lasse den Patienten wieder abholen.

10:15 Zeit für die Kurvenvisite. Dabei werden die Krankenblätter der Patienten jeden Tag systematisch durchgesehen: gibt es Auffälligkeiten bei Fieberkurve, Blutdruck, Puls, Herzfrequenz, Schmerzscore? Welche Medikamente braucht der Patient noch, welche können abgesetzt werden? Müssen sonstige Massnahmen (Röntgen, Physiotherapie, Ergotherapie) ergriffen werden? Sind am Folgetag Laboruntersuchungen notwendig? etc. Meine Anordnungen schreibe ich in das dafür vorgesehene Feld und ziehe den Reiter (ganz wichtig, denn sonst passiert gar nix!), damit Schwester oder Pfleger meine Anordnungen später ausarbeiten können.
Anschliessend telefoniere ich mit Angehörigen, um Entlasstermine zu planen, überzeuge einen Patienten, dass er eine Rehabilitationsmassnahme braucht und kläre mit dem Sozialdienst, ab wann und wo die Reha losgehen soll. Es folgen weitere Gespräche mit Patientenangehörigen, die gerade zu Besuch sind und um

12:15 ist es Zeit für die Mittagspause. Schnitzeltag! Während des Essens spreche ich mit Kollegen über die momentane Grosswetterlage, denn die Grippewelle hat nun auch OP-Pflege und Anästhesie erreicht. Das hat zur Folge, dass wir diese Woche etliche geplante Operationen absetzen und verschieben müssen. Das ewige Lied: Personal wird so knapp kalkuliert, dass Krankheitsausfälle nicht kompensiert werden können.

13:00 Ich habe heute Indikationssprechstunde. In diese Sprechstunde schicken Hausärzte Patienten, von denen sie glauben, dass sie operiert werden müssen. Ich erhebe dann die Anamnese, untersuche die Patienten, mache - wenn notwendig - zusätzliche Labor-, Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen und entscheide, ob und wenn ja welche Operation dem Patienten empfohlen wird. Kompliziertere Fälle bespreche ich mit meinem Oberarzt. Falls eine Operation ansteht, kläre ich den Patienten schriftlich über die OP auf und mache schlussendlich einen Termin mit ihm aus. Der Hausarzt erhält dann in einigen Tagen einen sogenannten Indikationsbrief. Damit kann man sich locker einen ganzen Nachmittag beschäftigen, und um

15:30 ist auch schon wieder Nachmittagsbesprechung. Ich übernehme das Diensthandy, lasse mir von den heute aufgenommenen Patienten berichten und ab 16:00 bin ich alleine im Haus.
Die Notaufnahme ist gerade ruhig, so dass ich erstmal in mein Bereitschaftszimmer gehe und mein Bett beziehe. Nichts ist schlimmer, als in einem turbulenten Dienst nachts um drei endlich in das Dienstzimmer wanken zu können und dann erst noch das Bett beziehen zu müssen!

Ab 17:00 habe ich wieder Betrieb in der Ambulanz. Ich behandle ein Kind mit gebrochenem Arm und eine ältere Frau mit Überlaufblase (1300ml Urin im Schuss, da hätte ich auch Bauchschmerzen!). Zwischendurch werde ich auf die Intensivstation gerufen, ein frisch operierter Patient hat Herzrhythmusstörungen. Ich setze Medikamente um und an und weil ich gerade schon da bin und der Bauch mir nicht wirklich gut gefällt nehme ich gleich noch Blut ab. Das Kind wird gegipst, die ältere Dame mit Blasenkatheter nach Hause entlassen und ich dokumentiere so vor mich hin. Die Laborwerte des Intensivpatienten sind wider Erwarten ziemlich in Ordnung, die per Infusion verabreichten Medikamente wirken und wir haben einen neuen Papst.

19:15 Ich sitze mit meinem Ambulanzpfleger, der diensthabenden RTA und der diensthabenden MTA vor dem Fernseher und beobachte DEN Vorhang. Wir sind gespannt wie die Flitzebogen, stellen aber irgendwann fest: keiner von uns ist katholisch!
Kurz nachdem der neue Papst auf den Balkon getreten ist, geht es in der Notaufnahme weiter.
Der Abend plätschert mit Bauchschmerzpatienten, verknacksten Sprunggelenken und einer etwas komplexeren Wundversorgung so vor sich hin. Gegen Mitternacht bringt mir der Notarzt noch eine Patientin mit stärksten Bauchschmerzen. Freundlicherweise hat er ihr schon reichlich Schmerzmittel verabreicht, so dass sie als ich sie untersuche seelig grinsend und natürlich völlig schmerzfrei auf der Trage liegt. Schön für die Patientin, schlecht für den Chirurgen! Die übliche Diagnostikmaschinerie mit Labor, Röntgen und Ultraschall läuft an. Ich kann nichts finden, was sofort operiert werden müsste. Die Patientin wird letztendlich von der Internistin zur Darmabklärung stationär aufgenommen und ich verschwinde gegen 1:00 nach einer letzten Runde über die Stationen in meinem Dienstzimmer.

Kommentare:

AnJu hat gesagt…

Der sieht jetzt bisher nicht so spannend aus, der Mittwoch ;-)

donauKwelle hat gesagt…

Jetzt besser? Musste mich beeilen, die Deadline lief ab ;-)