Freitag, 15. März 2013

WmDedgT? - Der Freitag

Frau Brüllen fragt, ich antworte.

05:05 Der Wecker klingelt, ich snooze zwei Mal und stehe zehn Minuten später tatsächlich auf. Das mit dem Augenöffnen klappt heute aber nicht besonders gut. Duschen, Frühstücken, Föhnen, Schminken und um

06:10 verabschiede ich mich vom weiterschlafenden Lieblingsbasler und fahre in die Klinik.

07:00 Visite. Eigentlich hätten wir heute wegen ausuferndem Krankenstand in der OP-Pflege kein OP-Programm (alle auf nächste Woche verschoben, das kann noch lustig werden). In der Nacht wurden aber zwei Patienten neu aufgenommen, und bei beiden wird bei der Visite durch den Oberarzt die Indikation zur notfallmässigen Operation bzw. zur Operation heute gestellt. Müssen wir uns wohl vor die Gynäkologen oder die Orthopäden drängeln (die dürften heute eigentlich Routineprogramm operieren).

07:30 Frühbesprechung. Keine größeren Überraschungen.

08:00 Nach einem kurzen Kaffee-Zwischenstopp in der Cafeteria informiere ich die Anästhesie über die Planänderung und kläre die beiden Patienten über ihre OPs auf. Danach möchte ich eigentlich ein Stockwerk tiefer meine Indikationsbriefe von vorgestern diktieren, werde aber kurz vor dem Ziel vom OP angefunkt. Der erste Patient liegt schon auf. Ich kehre um und schleuse mich ein.

08:45 OP-Beginn. Vor uns liegt ein kleiner Junge, der vermutlich eine Blinddarmentzündung hat. Aus Gründen operiert der Oberarzt, ich assistiere. Er entscheidet sich für eine konventionelle OP ("Bauchschnitt"), denn bei Kindern bringt die Laparoskopie ("Schlüssellochtechnik") nicht immer Vorteile, zumal die drei Schnitte, die wir für die Laparoskopie bräuchten, zusammengenommen länger wären als der klassische Wechselschnitt.
Ich finde Kinderchirurgie wirklich faszinierend, alles ist so klar und übersichtlich, die Anatomie ist noch viel schöner als später beim Erwachsenen (wenn man mal vom Standard-Erwachsenen ausgeht). Allerdings bin ich bei Operationen an Kindern auch immer doppelt so aufgeregt, zumindest wenn ich selbst operiere. Wir finden und entfernen den Wurm, und keine halbe Stunde später ist der Kleine wieder wach und mitsamt Kuscheltier (das die ganze Zeit über auf dem Narkosegerät sass) im Aufwachraum bei seiner Mutter.

09:30 Jetzt diktiere ich endlich die Indikationsbriefe, und den Versicherungsbericht gleich noch hinterher. Anschliessend kurzer Kollegenklatsch im Röntgenräumchen.

10:15 Zurück auf Station bereite ich die Entlassungen fürs Wochenende vor, verschlüssle Patientendiagnosen und fülle Rehaanträge aus. Anschliessend habe ich sogar Zeit, in einer elektronischen Fachzeitschrift herumzustöbern.

12:00 Die Sekretärin hat meine Briefe schon geschrieben, ich kann sie also gleich korrigieren, ausdrucken, unterschreiben und den verschiedenen Oberärzten ins Fach legen.

13:15 Ich drehe eine letzte Runde auf Station, kläre Unklarheiten und visitiere den kleinen Blinddarmpatienten noch einmal. Der ist schon wieder ganz schön fit (das ist das schönste an der Kinderchirurgie...die erholen sich so verdammt schnell!).

Um 13:45 verlasse ich die Klinik. Weil durch unsere Arbeitszeiten im Lauf der Woche so viele Überstunden anfallen, haben wir Freitagnachmittag frei (wenn wir nicht gerade Dienst haben). Die Sonne scheint, der Schnee glitzert auf den Bergen und ich freue mich aufs Wochenende (dass ich Sonntag Dienst habe ignoriere ich jetzt einfach mal gepflegt).
Ich gehe noch schnell im Supermärktchen einkaufen, und weil mir gar so frühlingshaft zumute ist fahre ich auch noch bei L*dl vorbei und kaufe die ersten Tulpen des Jahres. Und da so ein freier Nachmittag auf dem Sofa jetzt wirklich verlockend erscheint und ich mich unbedingt über die tollsten Designer Looks unter 30 Euro informieren muss, wandert auch die aktuelle J*Y noch in den Einkaufswagen. Und eine Tüte Schokoeier mit Himbeerfüllung.

15:15 Ich bin zu Hause, und statt direkt aufs Sofa zu liegen räume ich hier und da noch etwas auf (weil der Lieblingsbasler vorgestern unpässlich war, telefonierte er der Putzfee ab. Nur um zwei Stunden später dann doch ins Büro zu gehen...hmja. So sieht´s hier auch aus!). In der Küche angekommen muss ich lachen und lasse dann die Spülmaschine laufen. Der Lieblingsbasler hat sie heute morgen nämlich schon komplett eingeräumt, auch das Tab liegt schon im Fächli...aber wie so oft hat er mal wieder vergessen, die Spülmaschine auch einzuschalten. Was genau sein Hirn in diesen zwei Sekunden, die es dazu noch gebraucht hätte macht, ist mir ein Rätsel ;-)

Jetzt liege ich mit Tee, leichter Übelkeit und einer nicht mehr ganz so vollen Tüte Schokoeier auf dem Sofa, lese und schreibe.

19:30 Der Lieblingsbasler kommt nach Hause. Es gibt Gemüsepfanne mit Ofenpommes. Anschliessend stellen wir fest, dass neue Folgen unserer Lieblings-Doku-Soap laufen (bzw. Folgen, die wir noch nie gesehen haben): Verrückt nach Meer, mit Kapitän Morten Hansen! Ich stricke einen lange gehüteten Wollschatz an (Socken für mich) und schaffe es so, mich noch bis zur heute-show wachzuhalten. Danach geht´s ins Bett.

1 Kommentar:

Frau Brüllen hat gesagt…

Ach ja. Die magischen Kräfte, die man braucht, um eine Spülmaschine wirklich einzuschalten, die sind rar gesät. bei uns auch ;-)