Dienstag, 1. Mai 2012

Nostalgische Anwandlungen

Heute bin ich ein wenig nostalgisch.
Weil der 1. Mai ist und weil ich mich daran erinnert habe, wie das früher so war, als ich noch klein war. Wie am Abend vor dem ersten Mai alle Kinder ganz aufgeregt waren und in Gruppen durch das Dorf zogen. Wie wir es gar nicht abwarten konnten, bis es endlich wenigstens dämmerte und wir Maistreiche machen konnten.
Bei uns 8 - 12jährigen beschränkte sich das damals auf Autos in Klopapier einwickeln, Zahnpasta unter Autotürengriffe schmieren und Türmatten vertauschen. Wenn wir ganz mutig waren, haben wir mal eine nicht weggeräumte Regentonne drei Strassen weiter aufgestellt.
Nichtsdestotrotz schmiedeten wir schon Tage vorher Pläne. Als ich mir im Vorfeld des grossen Tags mal wieder überlegte, was denn ein super Streich wäre, gab mir meine Mutter den grandiosen Tipp, den Baum unserer Nachbarn mit vielen bunten Schleifchen zu verzieren. Treudoof wie ich war zog ich abends also tatsächlich mit einem Körbchen voller ausrangierter Geschenkbändel los und band sie um die Zweige. Wie cool meine Freunde das fanden, können Sie sich ja vorstellen, und beim Gedanken an ihr Gelächter werde ich heute noch ein bisschen rot. Danke, Mama, echt! 
"Die Grossen", also die Teenager unseres Dorfes, brachten da schon ganz andere Sachen. Da wurden Schaukelgestelle auf Garagendächer verfrachtet, Brunnenfiguren verkleidet und Brunnen mit Spülmittel in Schaumbäder verwandelt (ökologisch bedenklich, ich weiss. Aber he, es waren die 80er!). Einmal haben die sogar die kompletten Terrassentische und -stühle (diese Stühle, an denen man mit nackten Beinen immer klebenblieb) unseres Fussballclubs inclusive Sonnenschirmen und Blumendekoration am anderen Ende des Dorfes auf dem Garagendach meines Onkels aufgebaut.
Der Morgen des 1. Mais war dann besonders spannend: was hatten "die Grossen", wieder alles angestellt? Welcher Streich war so gut gelungen, dass er es am 2. Mai in den Lokalteil der Zeitung schaffen würde? Welches Mädchen hatte ein Maibäumchen gesteckt bekommen? Und vor allem von wem?
Als ich dann im Teenageralter war, fanden zumindest wir Mädels es plötzlich spannender, am 30. April in den Mai zu tanzen. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, jemals aktiv an gross angelegten Maistreichen beteiligt gewesen zu sein. Vielleicht starb die Tradition auch damals schon langsam aus. 
Heute konnte ich in unserem Dorf keinen einzigen Maistreich entdecken.
Schade, eigentlich.

Kommentare:

AnJu hat gesagt…

Achja, das waren noch Zeiten... Aber ich glaube das mit den großen Streichen ging schon Anfang der 90er langsam vorbei. Wir waren ja immer ganz brav, weil wir immer darauf bedacht waren, nichts kaputt zu machen. Geträumt haben wir aber immer davon den Bahnhof umzubenennen. War aber leider in der Umsetzung zu schwer.
Allerdings hat es einer unserer Streiche mal ins Narrenblatt geschafft, wenn schon nicht in die Zeitung.

donauKwelle hat gesagt…

Echt? Kann mich gar nicht erinnern...welcher denn?

AnJu hat gesagt…

Irgendeine Familie, die direkt am Sportplatz wohnt, hatte Schuhe vor der Tür stehen. Die haben wir samt Fußmatte in die Spielfeldmitte gestellt und uns am nächsten Tag noch geärgert, dass sie mittags immer noch da standen. Im Narrenblatt stand dann, dass die ihre Wanderschuhe zum Lüften rausgestellt hatten, weil sie am 1. Mai wandern wollten. Morgens, als sie loswollten, waren die Schuhe dann weg und sie mussten mit anderen Schuhen wandern. Als sie abends wieder kamen, haben sie die Schuhe dann entdeckt. Völlig unspektakulär eigentlich. Fürs Narrenblatt hat's wohl gereicht, weil es einfach richtig doof ist, am 30. April Schuhe zum Lüften rauszustellen.