Montag, 19. März 2012

Naja...

Letzte Woche las ich "Der Hals der Giraffe" von Judith Schalansky. Dieses Buch wollte ich schon lange mal lesen. Die Besprechungen waren - soweit ich mitbekommen hatte - sehr positiv, ausserdem reizte mich als ehemalige Biologie-LK-lerin natürlich auch das Thema an sich.

Inge Lohmark ist Lehrerin und unterrichtet seit über 30 Jahren Biologie. Sie lebt im vorpommerschen Hinterland, ihr Mann besamte zu DDR-Zeiten Kühe und züchtet nun Strausse, ihre Tochter ist vor Jahren in die USA ausgewandert. Inge Lohmark ist eine kühle, rationale Frau, die das Leben streng durch die biologisch-darwinistische Brille sieht. Sie gibt Frontalunterricht (was sonst?!?) und sorgt für Ordnung in ihren Klassen, ihre Schüler und die meisten Kollegen mag sie nicht wirklich. Umso überraschender (nicht zuletzt für sie selbst), dass sie sich plötzlich für eine ihrer Schülerinnen interessiert. 
Geschildert werden in drei Kapiteln drei Tage im Leben der Inge Lohmark.

Die Verbitterung von Inge Lohmark ist von Seite eins an spürbar. Die Sprache ist schnörkellos, aber auf eine bittersüsse Art wunderschön, und mir persönlich gefallen auch die ständigen Bezüge zur Biologie. Was mir leider fehlt ist eine Geschichte, ein Handlungsstrang. Man liest, geniesst die Sprache und wartet, dass es mal losgeht. Denn dass hinter all dieser Verbitterung, hinter all dieser Engstirnigkeit und Fixierung auf die Naturgesetze eine Geschichte lauern muss, ist klar. Los geht´s allerdings erst auf Seite 218. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn das Buch nicht schon auf Seite 222 enden würde! Man hat gerade begriffen, was da in der Vergangenheit los war, hat gerade einmal lautlos "achso" gemurmelt und zack-bumm ist es vorbei. Kann man machen. Gefällt mir aber nicht.
Sehr gefallen hat mir hingegen das Layout, vom Leineneinband über die Seitenüberschriften bis hin zu den wirklich wunderschönen Zeichnungen.


  

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