Donnerstag, 8. Dezember 2011

Vom Glück und der Zufriedenheit

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie sehr man sich im Lauf der Zeit verändert. Vor etwa zehn Jahren wurde ich gefragt, ob ich zufrieden (mit meinem Leben) sei. Ich antwortete damals: "Ich bin glücklich, zufrieden werde ich hoffentlich nie sein." Zufriedenheit, das klang für mich damals nach Spießertum, nach sich aufgeben, sich bescheiden, nach sich nicht mehr anstrengen, nach Bürgerlichkeit im negativsten Sinne. Niemals hätte ich mir das für mich vorstellen können. Ich wollte höher, weiter und schneller, und das bitte für immer. Linear ansteigend, wenn möglich mit ordentlicher Steigung, sowohl beruflich als auch privat.
Heute würde ich die Frage anders beantworten. Heute empfinde ich Glück fast als etwas bedrohliches, zumindest das vielgewünschte immerwährende Glück. Glück ist überschäumend, Glück ist grenzenlos, Glück ist - auch körperlich - anstrengend, Glück kann man nicht kontrollieren. Und Glück währt meist nicht ewig und wird einem oft geneidet. Alles in allem nicht ganz so uneingeschränkt sympathisch, das Glück, finde ich. Zufriedenheit hingegen, das klingt für mich heute nach Behaglichkeit, nach sich wohlfühlen, nach Geborgenheit. Natürlich kann man auch nicht rund um die Uhr zufrieden sein, "´s Läbe isch schliesslich kon Schlotzer", wie man in meiner Heimat sagt. Muss man aber auch nicht.
Zufrieden macht es mich zum Beispiel, wenn ich mit meinem Lieblingsbasler auf dem Sofa herumkuschle, wir die Welt aussperren und uns gegenseitig Geschichten von Geldautomaten-, Briefkasten- und Klimaanlagenzwergen erzählen, wenn wir Unsinn quatschen und lachen und dabei die Zeit vergessen. Das ist dann ein Gefühl wie Weihnachten. Nicht so, wie Weihnachten oft ist, mit all der selbstinduzierten Geschenkehektik, dem Backwahn und der zwölfunddreißigsten Weihnachtsfeier, auf die eh keiner mehr Lust hat, sondern so wie man sich Weihnachten wünscht. Ruhig, kuschlig, gemütlich.
Zufrieden macht es mich auch, wenn ich an einem Familienwochenende mit meinen Eltern, meiner Schwester, dem Schwager to be, meinem Lieblingsbasler, dem Kater und dem Hund nach einem guten Essen im Wohnzimmer sitze und alle nach und nach während des Redens (oder auch während des Elfer-raus-Spiels) immer schläfriger werden. Auch da kommt so ein Weihnachtsgefühl auf.
Vermutlich interpretiert jeder die beiden Begriffe unterschiedlich. Ich jedenfalls bin inzwischen soweit, dass ich meine Zufriedenheit (die wenn man so will ja aus ganz vielen klitzekleinen Glücksmomenten zusammengesetzt wird) dem ominösen, ganz großen Glück vorziehe. Aber auch das ist vermutlich nur eine Momentaufnahme. Mal sehen, was ich in zehn Jahren dazu denke!

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