Mittwoch, 28. Dezember 2011

Unverhoffter Genuss

Ich bin zwar getauft und konfirmiert, habe mit der Kirche aber (außer, dass ich immer noch brav meine Kirchensteuer bezahle) nicht wirklich viel am Hut. Ich bin keine Atheistin, nein, Agnostikerin trifft es wohl eher. Aber ich kann mit der ganzen Sache eben nicht allzuviel anfangen. Manchmal beneide ich sogar Menschen, die tief in ihrem Glauben verwurzelt sind, das gibt sicher Halt.
Aber darum soll es in diesem Beitrag gar nicht gehen. Ich will nur erklären, warum ich nicht besonders begeistert war, als meine Mutter mir mitteilte, dass heute die Jahrestagsmesse für meinen letztes Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag verstorbenen Großvater gelesen würde. Und da ich gerade zu Besuch bin, musste ich meine Eltern begleiten (das ist auf dem Dorf eben so). Mäßig enthusiastisch betrat ich daher um 18:00 Uhr die kleine Dorfkirche. Ein wenig wunderte ich mich schon, dass die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war, aber warum das so war sollte mir erst später klar werden. Wir fanden noch Platz auf der Empore, allerdings in der letzten Reihe, direkt hinter der Orgel. Die Eucharistiefeier begann also, und ich war ganz froh über meinen Platz hinter der Orgel. Als Protestantin weiss ich nie so recht, wer wann aufsteht und niederkniet, und die meisten Lieder sind mir auch unbekannt.
Dieser Gottesdienst heute war aber nicht nur eine normale Eucharistiefeier, nein, er wurde gesanglich vom A-Cappella-Ensemble unseres Männergesangvereins mitgestaltet. Und die sangen gar wunderbare, alte Weihnachtslieder, die man inzwischen nur noch selten hört. Ich saß also ganz verzaubert auf meinem Platz, spähte immer wieder hinter der Orgel hervor um den mit Strohsternen und goldenen Kugeln geschmückten Weihnachtsbaum unserer Dorfkirche zu betrachten und lauschte Liedern wie "Maria durch ein´ Dornwald ging" und "Es ist ein Ros entsprungen". Wunderschön!
Nach dem Gottesdienst gaben die acht A-Cappella-Männer noch ein kleines Konzert in der Kirche. Es folgten noch mehr Weihnachtslieder, von "Hark! The Herald Angels Sing" über russische Weisen bis zu "Winterwonderland", und die Akustik und der einfache Weihnachtsschmuck der kleinen Kirche machten das zu einem ganz besonderen Erlebnis.
Anschließend trafen sich alle Gottesdienstbesucher noch auf dem Schulhof, wo bei Schwedenfeuern Glühwein bzw. Kinderpunsch gereicht wurden. Und mir wurde einmal mehr bewusst, dass ich ganz tief in meinem Herzen doch immer noch ein kleines Dorfmädchen bin.

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