Freitag, 30. Dezember 2011

Jahresrückblick

Januar
An den Januar habe ich erstaunlich wenige Erinnerungen. Er begann sehr relaxt und ausgeschlafen mit einem Champagnerfrühstück, und ich weiß noch, dass mir der Champagner recht schnell zu Kopf stieg. Ab dem 2. Januar hatte mich der Alltagswahnsinn mit langen Diensten und durchgearbeiteten Wochenenden fest im Griff, jedenfalls wenn man meinem Terminkalender glauben darf.

Februar
Im Februar fand das Weihnachtsessen (!) meiner Abteilung statt. Es gab Fondue Chinoise, und die zugezogenen Kollegen staunten nicht schlecht, als nach dem opulenten Mahl Tässchen zum Austrinken der Fonduebrühe gereicht wurden.
Mit dem Lieblingsbasler verbrachte ich einen sonnigen Sonntagnachmittag im malerischen Colmar. Die Colmarer waren wohl ihrer Zeit etwas hinterher, jedenfalls stand und hing in der gesamten Stadt noch die Weihnachtsdeko. Da machte es uns doch glatt gar nix mehr aus, dass wir es nicht - wie ursprünglich geplant - in der Adventszeit nach Colmar geschafft hatten. Wer weiss, ob wir da so schönen Sonnenschein gehabt hätten. Und ich kann mich noch gut an das leckere Schokoladeneclair erinnern!



Nachdem meine beste Studienfreundin und ich im Februar 2010 ein "Vicar-of-Dibley"-Weekend gefeiert hatten (nach 20 Folgen und allen Weihnachts-, Oster-, und Jahreszeiten-Specials innerhalb von nur 2 Tagen waren wir am Ende davon überzeugt, übers Wochenende wirklich in Dibley gewesen zu sein), fand dieses Jahr ein Harry-Potter-Weekend statt. Wir schauten alle HP-Filme hintereinander. Dazu gab es stilecht Pumpkinmuffins, Schokoladenfrösche und Sandwiches, und natürlich stundenlange Freundinnengespräche.
Außerdem war ich im Februar noch beim Zahnarzt (glücklicherweise alles ok, noch glücklichererweise wie immer) und im Musical. Mit meinen und des Lieblingsbaslers Eltern sahen wir uns "Ich war noch niemals in New York" an. Alles in allem ein wesentlich aktiverer Monat als der Januar, allerdings hatte ich auch eine Woche Urlaub.

März
Am ersten Märzsonntag düsten der Lieblingsbasler und ich nach dem Nachtdienst in meine Heimatstadt und ich machte ihn mit der schwäbisch-alemannischen Fasnet vertraut.
Eine Woche später revanchierte er sich und nahm mich mit auf den "Morgestraich". Obwohl ich bereits seit 11 Jahren nicht besonders weit von Basel entfernt wohnte, war ich noch nie dort. Mir war zwar wegen einer Fischvergiftung etwas flau, aber der Morgestraich ist eben nur einmal im Jahr. Und so standen wir nachts um 04:00 Uhr in der Basler Altstadt. Der Moment, wenn alle Lichter ausgehen und nur noch die (Kopf-)Laternen brennen ist wirklich berührend. Auch der Cortège am Montagnachmittag war toll, ich wurde mit "Räppli" beschossen (die ich gelegentlich noch in einer Jackentasche finde) und staunte sehr über die vielen tollen Kostüme.






Ansonsten wurden im März viele Geburtstage gefeiert (einer dieser Feiern verdankte ich auch obengenannte Fischvergiftung).


April
Der April begann unschön. Ich erlebte bei einem Patienten eine meiner bisher schwersten Komplikationen. Das gehört zu den negativen Seiten meines Berufs, und rein theoretisch war mir das auch bewusst. Es praktisch zu erleben war erschütternd, und auch wenn letztendlich alles gut ausging hatte ich lange daran zu knabbern.
Schön war unser Urlaub in Venedig. Wir hatten - nach gefühlten 258 Stunden Hotelvergleich im Internet - großes Glück mit unserer Unterkunft. Wir fanden ein wunderschönes Zimmer in einem kleinen Palazzo. Das war auch gut so, denn einen Tag verbrachte ich (wie in fast jedem Urlaub) krank im Bett. Aber wir hatten trotzdem eine tolle Zeit und haben uns bei schönstem Wetter fast alle Sestieri erlaufen. Falls Sie demnächst mal nach Venedig fahren sollten: ein Abendessen in der Osteria "Ae Cravate" kann ich nur empfehlen!









Mai
Die erste Maiwoche verbrachte ich bei einer lieben Freundin in München. Vor allem natürlich, weil wir uns schon so lange nicht mehr gesehen hatten und München im Mai einfach schön ist. Noch dazu fand da gerade eine große Fortbildung im Kongresszentrum statt. Und da die liebe Freundin den gleichen Beruf hat wie ich ließ sich das Angenehme so mit dem Nützlichen verbinden. Wir bildeten uns also fort, tranken in den Pausen sehr leckeren Cappuccino (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Ape Espressobar von Storz!) und aßen Leberkäs bei Ethicon, gingen shoppen und Indisch essen und hatten es schön. Am Wochenende kam auch noch mein Lieblingsbasler dazu und wir testeten uns heldenhaft durch diverse Münchner Biergärten.

Juni
Am ersten Juniwochenende rafften wir uns trotz ziemlich regnerischem Wetter zu einer Wanderung im Schwarzwald auf. Und auch, wenn meine Wanderhose seither einen großen Riss am linken Knie hat und mir noch tagelang Ellbogen und Oberschenkel wehtaten, kann ich mir dennoch nicht vorstellen, in Zukunft immer nur auf den Weg vor meinen Füssen zu achten! Links und rechts davon ist´s doch viel interessanter.
Mitte Juni lag ich dann zwei Tage mit rätselhaften Herzrhythmusstörungen bei den internistischen Kollegen. Nachdem mir von allen Seiten versichert wurde, dass organisch alles in Ordnung sei beschloss ich, es demächst (also dann, wenn alle Stellen wieder  besetzt sind, die Urlaubszeit rum ist, die Berufsanfänger eingearbeitet sind, generell eben nicht mehr so viel Arbeit anliegt...) mal etwas ruhiger angehen zu lassen. Immerhin war ich so vernünftig, meinen für Juli geplanten Notarztkurs abzusagen.

Juli
Der Lieblingsbasler und ich waren auf einem Diavortrag über Ostkanada. Und auch, wenn der Vortragende das Wort "beschaulich" etwas überstrapazierte, wir waren begeistert und planten unseren Jahresurlaub im September schon mal grob durch.
Da ich dank des abgesagten Notarztkurses ja nun eine Woche frei hatte, nutzten wir die Gelegenheit und fuhren für ein verlängertes Wochenende nach...


...Paris!
Das war sehr schön, aber bevor jetzt alle in "Oh, wie romantisch"-Schwelgereien ausbrechen: des Lieblingsbaslers Eltern waren auch dabei. Wir schlugen nämlich zwei Fliegen mit einer Klappe und lösten gleich noch einen Geburtstagsgutschein ein. Wir durchliefen ein straffes Besichtigungsprogramm, und ich entdeckte meine Leidenschaft für Macarons und finde sie inzwischen noch besser als Eclairs. Außerdem fand ich in einem Schnickschnack-Laden eine allerliebste Barbapapa-Boule, ganz in rosa!
Kaum aus Paris zurück kam es richtig dicke: Urlaubszeit und gehäufte Krankheitsausfälle in der Abteilung führten dazu, dass ich zeitweise für über 40 Patienten zuständig war, die meisten davon frisch operiert oder bald zu operieren. Das war wohl der Tropfen, der mein ohnehin schon sehr volles Fass zum überlaufen brachte. Jedenfalls ging Ende Juli gar nix mehr. Meine liebste Studienfreundin sprach ein Machtwort, und ich wurde erstmal für 2,5 Wochen aus dem Verkehr gezogen.

August
Die ersten beiden Augustwochen waren nicht gut. Obwohl mein Kopf noch kein Bisschen frei war, traf ich doch eine grundlegende Entscheidung. Das daraus resultierende Telefongespräch, in dem ich meinem Chef klarmachen musste, dass ich meinen Vertrag auf keinen Fall verlängern und somit (dank Resturlaub) Anfang September ausscheiden werde, war schwierig. Aber als es rum war fiel mir erstmal ein Stein vom Herzen.
Mitte August ging ich wieder arbeiten und war sehr erleichtert, dass mein Team mein Ausscheiden zwar schade fand, mich aber voll und ganz verstehen konnte.
Ansonsten wurde im August mal wieder Geburtstag gefeiert, dieses Mal meiner. Und mir war noch kein Geburtstag so egal wie dieser. Aber der Lieblingsbasler machte ihn doch zu einem tollen Tag, unter anderem weil ich mein süßes kleines Pinkbook bekam, auf dem ich dies hier nun tippe!

September
Ich feierte meinen Ausstand in der Klinik mit einem sehr langen Apéro, und ich war sehr, sehr gerührt. So viele Kollegen, die sich verabschieden wollten, und alle fanden so nette Worte! Das war ein sehr schöner und gleichzeitig auch ganz scheußlicher Tag.
Glücklicherweise fuhren wir zwei Tage später in den Urlaub. Wegen des ganzen Heckmecks leider doch nicht nach Kanada, sondern an die Ostsee. Das war aber sicher die richtige Entscheidung, denn wir konnten die Erholung beide sehr gut brauchen. Wir hatten eine niedliche Ferienwohnung auf Rügen, und mein Lieblingsbasler wurde in den 12 Tagen zum echten Großwildjäger: es gab einfach unglaublich viele Mücken! Um zu zeigen wie schön es dort war hier ein paar Urlaubsimpressionen:








Kaum waren wir nach dem Urlaub wieder durch ganz Deutschland gedüst, fand in meiner Heimatstadt das große Reitturnier statt. Wir beobachteten die Gespanne bei der Fahrt durch den reißenden Fluß und saßen anschließend ganz traditionsgemäß auf dem Stehwall am Springplatz, um uns den obligatorischen Sonnenbrand einzufangen.

Oktober
Seltsam war´s, als der Lieblingsbasler wieder zur Arbeit ging und ich eben nicht. Natürlich hatte ich mir die Auszeit sehnlichst gewünscht, sie geradezu herbeigesehnt, aber so von 180 auf 0? Eben noch im Schockraum, jetzt auf dem Sofa...das fiel mir verdammt schwer! Und so verbrachte ich den Oktober damit, die letzten Zwetschgen zu Marmelade zu verarbeiten und Donauwellen zu backen und war fürchterlich unzufrieden. Nebenbei (haha) hatte ich noch meine Wohnungsauflösung vorzubereiten. Ich hatte echt schon bessere Monate.
Aber auch im Oktober gab es schöne Erlebnisse. Ich erinnere mich zum Beispiel gerne an eine Architekturführung auf dem VitraCampus in Weil am Rhein, bei der ich als Anhängsel des Lieblingsbaslers dabei war. Beim anschließenden Abendessen gab es auch noch Realsatire pur (die Schweizer sind halt schon ein spezielles Völkchen), und ich war mir sicher, daß mein Tischnachbar ab und an als Emil-Double auftritt.

November
Im November löste ich mit tatkräftiger Unterstützung meiner Familie und Freunde meine Wohnung auf. Wir wären auch ganz fix fertig gewesen, wenn der 7,5-Tonner nicht in dem Moment, in dem er voll beladen war den Geist aufgegeben hätte. Nach dreistündigem Einsatz des LKW-Notdienstes konnten wir den LKW zwar an seinen Bestimmungsort fahren, das Abladen war aber erst zwei Tage später möglich.
Ich verbrachte viel Zeit an meinem Heimatort und wurde zur Ersatzhundehalterin. Mal ehrlich, hätten Sie Angst vor dem? Na also!

Um meine nicht mehr vorhandene Kondition wieder zurückzugewinnen betrieb ich nicht nur Extrem-Spaziergehing mit Boxer, nein, ich meldete mich auch wieder in einem Fitnessstudio an (und ging auch hin).
Nach langem Zögern und Zaudern wurde ich von einer stillen Blogleserin zu einer etwas weniger stillen Bloginhaberin (vielen Dank an den Lieblingsbasler für die Inspiration zum Namen!).

Dezember
Dieser Dezember brachte mir eine schöne Adventszeit. Wir besuchten einen minikleinen Weihnachtsmarkt im Nachbardorf (12 Hüttchen!), gingen mehrmals lecker Essen, und meine Geschenke hatte ich auch frühzeitig beisammen. Weihnachten war ruhig und gemütlich. Der Lieblingsbasler erhielt neben anderen Kleinigkeiten einen selbstgestrickten, rot-blau gestreiften FC-Basel-Fanschal. Und obwohl er sich bisher mit Händen und Füßen dagegen gewehrt hat, bestrickt zu werden, will er den zu meiner großen Erleichterung sogar anziehen! Ich wurde auch reich beschert, und das Beste ist: morgen geht´s weiter! Meine Schwester und ihr Freund waren über die Weihnachtsfeiertage in seiner Heimat, und so feiern wir morgen nochmal ganz kurz Familienweihnachten, bevor zum Silvesterfondue dann noch Freunde dazustoßen. Ich freu mich schon sehr! Ganz besonders freue ich mich darüber, dass ich dieses Jahr sowohl Weihnachten als auch Silvester mit meinen Lieben feiern darf. Das war die letzten Jahre logischerweise nie möglich und ist mein ganz besonderes Jahresendgeschenk an mich, wenn Sie so wollen.

Fazit: 2011 war definitiv ein abwechslungsreiches Jahr. Es gab viele Höhen und Tiefen, und leider konnte ich die Höhen nicht immer sofort erkennen. Aber auch wenn es mir eine Zeit lang wirklich schlecht ging, inzwischen denke ich: für irgendwas war´s gut! Ich durfte erfahren, wie sehr Familie und Freunde hinter mir stehen, habe gelernt, etwas geduldiger zu sein (zumindest ein Bisschen) und werde wieder mehr auf mein Bauchgefühl hören. 2012 kann kommen!


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