Mittwoch, 30. November 2011

Jogger trifft Boxer

Letzte Woche war ich mit dem Hund meiner Schwester (nennen wir ihn der Einfachheit halber mal "Boxer", denn er kann sich zu seinen Wünschen hinsichtlich Anonymität im www leider nicht für mich verständlich äussern, glauben Sie mir, ich habe gefragt!) spazieren. Wir liefen die große Runde, also erst durch das direkt an unser Dorf angrenzende Feld und dann durch den alten Schloßpark, denn so ein Boxer braucht viel Auslauf. Weil der Boxer so ein lieber Boxer ist und um diese Jahreszeit sowieso kaum jemand an einem Wochentagsvormittag auf dieser Strecke unterwegs ist, darf der Boxer immer ohne Leine (aber mit Halfter) laufen. Er hört ja meistens eh aufs Wort. Und so macht ihm das Spazierengehen auch viel mehr Spaß, so kann er hemmungslos an jedem Mauseloch schnüffeln und auf den Wiesen durch die Laubschicht rascheln. Das tat er an diesem Tag auch mit großem Enthusiasmus, trotz seiner fast 5 Jahre ist er immer noch sehr verspielt. Nun ist es aber so, dass der liebe Boxer mit dem ganzen Schnüffeln und Rascheln immer so beschäftigt ist, dass er entgegenkommende Personen und Fahrräder manchmal nicht wahrnimmt und so kommt es ganz selten zu Beinahezusammenstößen. Der Boxer ist dann immer sehr beleidigt, dass man als Spaziergehmensch nicht besser aufgepasst und ihn gewarnt hat (das kann er neben dem ganzen Schnüffeln und Rascheln nun wirklich nicht auch noch erledigen) und schaut einen dann auch ganz vorwurfsvoll an. Und als er da letzte Woche so eifrig am Spielen war kam es, wie es kommen musste. Ein flotter Jogger, ungefähr in meinem Alter, kam uns entgegen, und just in dem Moment wollte der Boxer den Weg überqueren. Wahrscheinlich sah das Laub am linken Wegesrand vielversprechender aus, fragen Sie mich nicht, ich bin ja kein ausgewiesener Laubexperte. Als gut konditionierter Spaziergehmensch rief ich dem ca. 20m entfernten Hund jedenfalls zu, was wir da immer so rufen, nämlich "Achtung Boxer, aufpassen!" Daraufhin blieb der brave Boxer auch prompt stehen und musterte den entgegenkommenden Jogger interessiert. Dieser kam uns aber gar nicht mehr entgegen, er blieb vielmehr wie vom Donner gerührt stehen und machte sogar ein oder zwei kleine Schrittchen nach hinten. Ich rief natürlich sofort "Sie können ruhig weiterjoggen, der spielt nur und bleibt jetzt auch stehen!" Daraufhin schrie der nun nicht mehr so flotte Jogger leicht panisch: "Ich sag´s Ihnen, wenn der mich anfällt und beißt, das wird seeehr teuer für Sie!". Den Rest habe ich nicht mehr so gut verstanden, das Wort "Rechtsanwalt" kam aber vor. Inzwischen hatte ich den verwirrten Boxer schon erreicht, der hatte nun wirklich jegliches Interesse am Jogger verloren und ging wieder Laubrascheln. Und ich fand die ganze Sache zuerst ansatzweise ein Bisschen ärgerlich, später nur noch amüsant. Nachmittags erzählte ich die Geschichte einer Bekannten. Die fand sie nicht so lustig wie ich und erwähnte, dass sie selbst auch fürchterliche Angst vor Hunden hat. Und wahrscheinlich in ihrer Panik ähnlich reagiert hätte wie der Jogger. Hm, ich gestehe, ich kam ins Grübeln. Ich selbst habe nämlich (obwohl mir als ich etwa 4 Jahre alt war mal ein Dackel ins linke Knie gebissen hat) keine Angst vor Hunden. Und wenn ich mir den Boxer meiner Schwester so anschaue kann man eigentlich gar nicht anders, als ihn niedlich zu finden. Nicht umsonst sind es prima Familienhunde. Aber, zugegeben, er ist nicht klein. Und was weiß ich schon, welche Erfahrungen der Jogger bisher mit Hunden im Allgemeinen und vielleicht auch Boxern im Speziellen gemacht hat? Also, lieber unbekannter Jogger, falls wir uns morgen Vormittag wieder im Park begegnen sollten: ich verspreche, den Hund sofort zurückzurufen und auch nicht den dämlichen klassischen "der will nur spielen"-Spruch zu bringen. Aber könnten Sie vielleicht auch darauf verzichten, mir sofort mit dem Rechtsanwalt und einer Klage zu drohen, nur weil der Hund kuckt? Das wäre famos! Ganz herzlichen Dank, und vielleicht ja bis morgen!

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